Alberich-Handbuch – Enigma M4, Modern V3 & Kurier

Status Modern V3 ist der empfohlene Alberich-Modus; V3 gehärtet ist ausgeliefert

Handbuchstand: 4. September 2026 · Alberich Modern V3 · V3 gehärtet

Willkommen. Dieses Handbuch erklärt die historische Enigma-M4-Simulation und das moderne Alberich-Verfahren Modern V3 — ehrlich, zweisprachig, offline.

Alberich läuft im Browser, als Android-App (Play Store oder eigenes F-Droid-Repo) und als Companion für Chrome, Edge, Firefox und Thunderbird. Kein Account, keine Werbung, kein Tracking.

1. Was ist Alberich?

Kurz gesagt

Klassische Enigma. Moderne Verschlüsselung. Historische Enigma-M4-Simulation und das moderne Alberich-Verfahren Modern V3 unter einer Oberfläche. Werbefrei. Ohne Anmeldung. Ohne Tracking.

Alberich ist eine browserbasierte Rotor-Verschlüsselung mit zwei Welten: einer historisch orientierten Simulation der Enigma M4 und dem modernen Alberich-Verfahren Modern V3. Der klassische Modus bildet das Funktionsprinzip der Enigma M4 für historische, technische und experimentelle Anwendungen nach. Modern V3 entwickelt das Rotorprinzip weiter und verbindet es mit Base-26, automatischen Spruchschlüsseln, Schlüsseltafeln, Netzen und dem Kurier-Modus. Die Verarbeitung erfolgt grundsätzlich lokal im Browser. Klartext und Schlüsselmaterial sollen das verwendete Gerät nicht unnötig verlassen.

Modern V3 ist der empfohlene Alberich-Modus für den Alltag. Er ist ein offen spezifiziertes, experimentelles Rotor-Protokoll, das die historische Enigma-Idee konsequent für heutige Nutzungsszenarien weiterentwickelt. Es ist kein Ersatz für etablierte, breit geprüfte AEAD-Verfahren, wie sie moderne Messenger intern einsetzen. Alberich verfolgt bewußt einen anderen Ansatz: nachvollziehbare Rotor-Kryptographie, lokale Schlüsselverwaltung und optional eine physische Trennung von Kryptographie und Kommunikation.

Warum Alberich?

  • Lokal statt Cloud: Verschlüsselung und Schlüsselverwaltung erfolgen auf dem Gerät.
  • Keine Registrierung: Kein Alberich-Konto erforderlich.
  • Keine Telemetrie: Alberich benötigt keine Nutzungsanalyse.
  • Keine Cloud-Schlüssel: Tagesschlüssel bleiben unter Kontrolle der Nutzer. Es gibt keinen zentralen Schlüsselserver.
  • Offen nachvollziehbar: Spezifikation, Quellcode und Selbsttests machen die Arbeitsweise überprüfbar.
  • Kurier-fähig: Klartext und Tagesschlüssel können vollständig auf einem getrennten Offline-Gerät bleiben.

Drei Wege, die du gleich unterscheiden solltest:

  • Traditionell Historische Enigma-M4-Simulation — Lern- und Experimentiermodus.
  • Modern V3 Empfohlener Alberich-Alltagsmodus; Tafeltyp V3 gehärtet für kürzere Schlüsselzeiten.
  • Kurier Optionaler Air-Gap-Workflow: Kryptographie und Kommunikation physisch trennen.
Was welche Alberich-Oberfläche kann
FunktionWebAndroidCompanion
Modern V3jajaja
V3 gehärtetja (Live-QR und Datei)ja (Datei .alb3cb2)nein — nur Tagesschlüssel
Traditionelljajanein — bewußt schlank
Kurier (QR)jajaja
Tafeln erzeugen / importierenjajaImport, kein Tafelgenerator
Kurier-Modus

Chatkontrolle 2.0 Ade — Entkopplung statt Vertrauen in den Messenger

Klartext bleibt offline. Beim Kurier-Modus übernimmt das Offline-Gerät die Kryptographie. Das Online-Gerät transportiert ausschließlich Alberich-Geheimtext. Dadurch müssen weder Klartext noch Tagesschlüssel dem Messenger-Gerät anvertraut werden. Ein client-side-scanning auf dem Kommunikationsgerät sieht damit nur Geheimtext.

Das ist die eigentliche Antwort auf Chatkontrolle 2.0: nicht ein anderer Algorithmus im selben Handy, sondern die Entkopplung von Rechnen und Transport. Ablauf in Kapitel 6.

Alberich Kurier: Offline tippen, QR über die Luftlücke, Online nur Geheimtext

Was es nicht ist. Alberich ist kein AES und keine vergleichbare moderne Standardverschlüsselung, kein Signal und kein NIST-Algorithmus mit Sicherheitsbeweis. Modern V3 ist Open Source und eine weiterentwickelte Rotor-Chiffre. Für jeden nachvollziehbar. Es folgt streng dem Kerckhoffs’schen Prinzip, daß die Sicherheit auf der Geheimhaltung des Schlüssels beruht; der Algorithmus ist vollständig offengelegt.

1.1 Android beziehen

Kurz gesagt

Play Store oder eigenes F-Droid-Repo. Einen Kanal wählen. Das ist nicht f-droid.org.

Zwei offizielle Wege, dieselbe App (derzeit 1.0, Revision 31):

  • Google Play — kürzester Weg. Updates über den Store.
  • F-Droid-Repo des Autors — signierte APKs auf alberich.pro, Updates über die F-Droid-App. Das ist nicht f-droid.org. Android-Quelltext liegt nicht im öffentlichen GitHub-Repo.

Einstieg, QR und Fingerprint stehen unter alberich.pro/fdroid. Repo-Adresse: https://alberich.pro/fdroid/repo. Fingerprint (SHA-256): 5D0B21FEEA5FE33D702AE4FDB8A556108C9BE1993A031A413B24C7C399EDC4C3.

Ohne F-Droid-Client geht auch Obtainium mit derselben Adresse und demselben Fingerprint. Eine nackte APK ist der dritte Weg — unbekannte Quellen, keine automatischen Updates, solange das Repo nicht hinzugefügt ist.

Einen Kanal wählen und dabei bleiben. Play App Signing und das Repo-APK tragen in der Regel verschiedene Signaturen. Eine Play-Installation läßt sich nicht aus dem Repo aktualisieren — und umgekehrt. Wechsel: App deinstallieren, Tafeln vorher sichern.

2. Schnelleinstieg

Kurz gesagt

Ein Traditioneller Modus, um die klassische Enigma kennenzulernen, Modern V3 für den Alltag. Sender und Empfänger brauchen denselben Modus und dieselbe Tafel.

Traditionell

Historische M4 nach den Bedienvorschriften der Kriegsmarine: Walzenlage und Tagesschlüssel von der Tafel, Spruchschlüssel je Nachricht, nur Großbuchstaben A–Z. Punkt wird zu X, Komma zu Y, Fragezeichen zu UD. Ver- und Entschlüsseln sind dieselbe Operation.

  1. Hauptmodus Traditionell wählen.
  2. Walzen, Ringe, Steckerbrett und Grundstellung setzen — wie auf dem historischen Schlüsselzettel.
  3. Text in A–Z eingeben. Dieselbe Einstellung entschlüsselt wieder.
  4. Optional Verfahren Spruchschlüssel: Alberich kann den vierstelligen Spruchschlüssel zufällig erzeugen, statt ihn von Hand zu wählen.

Wer die originale M4 nachspielen will, folgt den historischen Vorschriften (Schlüsselzettel, Kenngruppen, Spruchschlüssel). Alberich nimmt einem die Handarbeit ab, ändert aber das elektrische Verhalten der Maschine im Traditionell-Modus nicht.

Modern V3 empfohlen

  1. Oben muß Modern stehen.
  2. Tafel laden: empfohlen V3 gehärtet (Zeitslots) oder V3 · Tagesschlüssel (JSON / QR / manuell). Mindestens drei Steckerpaare.
  3. Klartext eingeben → Nachricht mit Stempel ALBV kopieren (einschließlich Prüfgruppe).
  4. Empfänger: die komplette Nachricht einfügen — von ALBV bis zur letzten Gruppe. Ausgabe ist der Klartext.

Vor dem ersten Spruch sicherstellen, daß Sender und Empfänger dieselbe Tafel verwenden. Beim Tagesschlüssel reicht das Tafelwort (sieben Buchstaben); bei V3 gehärtet Monat und Fingerprint. Beides ist ein Plausibilitätscheck, keine Garantie der Identität.

3. Schritt für Schritt für neue Nutzer

Kurz gesagt

App → Modern → eigene Tafel (nicht die Demo), empfohlen V3 gehärtet → Tafelwort oder Fingerprint vergleichen → Nachricht senden und vollständig einfügen.

Alberich im Browser: Walzen, Moduswahl und Textfelder
Die Web-App unter alberich.pro — Walzen, Modus und Text auf einer Seite.
  1. App öffnen. Web: alberich.pro, oder die Android-App über Play oder F-Droid, oder ein Companion. Es gibt keinen Schlüsselserver; eine lokale Kopie reicht.
  2. Sprache wählen. DE | EN oben rechts. Die Wahl bleibt gespeichert.
  3. Modern aktivieren. Oben muß „Modern“ stehen, nicht Traditionell. Beide Modi sind untereinander aufgrund des unterschiedlichen Algorithmus nicht kompatibel, also nicht auf Sender- und Empfängerseite vermischen. Hinweis: Der Alberich Companion ist bewußt schlank gehalten für den Browser und das Mail-Programm. Dort gibt es nur den Modern-Modus, keinen Traditionell-Modus. Traditionell findest du in der Web-App und in der Android-App.
  4. Erste Schlüsseltafel. Setup öffnen. Für den Alltag V3 gehärtet erzeugen (Voreinstellung 4 Stunden). Alternativ bleibt V3 · Tagesschlüssel mit einer Monatstafel. Die beigelegte Demo-Tafel (Tafelwort CPTZ YYH) ist ein öffentlicher Tagesschlüssel und nicht sicher. Sie dient nur zum Ausprobieren in diesem Handbuch — nicht für eigene Nachrichten.
  5. Tafel vergleichen. Tagesschlüssel: sieben Buchstaben, Anzeige XXXX XXX, CRC-32-Tafelwort. V3 gehärtet: Monat und Fingerprint. Beides ist ein kurzer, nicht geheimer Vergleichswert — ein alltagstauglicher Plausibilitätscheck, keine Signatur. Für sensible Nutzerkreise die Übereinstimmung über einen unabhängigen Kommunikationsweg bestätigen.
  6. Erste Nachricht verschlüsseln. Eingabe-Art „Klartext“, Text tippen. Ausgabe in Vierergruppen. Pro Nachricht erzeugt Alberich intern einen neuen Spruchschlüssel und eine Message-ID — nicht bei jedem Tastendruck.
  7. Nachrichtenstruktur. ALBV | Kopf | Message-ID | Körper | Prüfgruppe. Ohne die vollständige Nachricht gibt es keinen Klartext. Gruppen zu vier Buchstaben sind nur Anzeige.
  8. Entschlüsseln. Eingabe-Art „Geheimtext“, die komplette Nachricht einfügen. Die Prüfgruppe wird zuerst geprüft.
  9. Optional: Kurier. Zweites Gerät dauerhaft offline. Details in Kapitel 6.

Die Tafel ist das Herz der Verschlüsselung. Sie ist das gemeinsame Geheimnis. Ohne sie ist die Nachricht Buchstabensalat; mit ihr kann man jede Nachricht der jeweiligen Epoche ver- und entschlüsseln — beim Tagesschlüssel den ganzen Tag, bei V3 gehärtet den Zeitslot. Deshalb: Tafel nicht über unsichere Kanäle oder über denselben Kanal wie die Nachrichten selbst versenden. Nicht in der Cloud oder auf ungesicherten Laufwerken speichern. Für unterschiedliche Gruppen (Familie, Freunde, Kollegen) können und sollen unterschiedliche Tafeln verwendet werden.

4. Die beiden Hauptmodi im Detail

Kurz gesagt

Traditionell = historische M4. Modern V3 = Alltag mit Endwalze und Prüfgruppe. Beide Modi sind nicht kompatibel — nicht vermischen.

4.1 Traditioneller Modus

Historische M4: Walzen I–VIII, Griechenwalze Beta oder Gamma, Umkehrwalze Bruno/Caesar (Dora als Option). Du stellst vier Startpositionen (Griechenwalze plus linke, mittlere und rechte Walze). Die Griechenwalze sitzt im Stromweg, dreht während der Chiffrierung aber nicht mit — historisch und in Alberich-Traditionell. Davon zu trennen ist die Ringstellung: sie gilt für alle vier Walzen, einschließlich der Griechenwalze — so wie auf der historischen M4. Die Griechenwalze dreht während der Chiffrierung nicht mit; Ring und Startlage sind trotzdem zwei verschiedene Einstellungen und beide wirksam. Ältere Alberich-Sprüche im Traditionell-Modus, deren erster Ringbuchstabe nicht A war, entschlüsseln nach dieser Korrektur anders.

  • Involutorisch: dieselbe Einstellung entschlüsselt wieder. Ein Buchstabe chiffriert nie sich selbst.
  • Nur A–Z. Leerzeichen bleiben in der Eingabe sichtbar, gehen aber nicht als Maschinenschritt. Punkt → X, Komma → Y, ? → UD.
  • Walzenschritt: klassisches Double-Stepping. Die rechte Walze bewegt sich bei jedem Tastendruck um eine Position. Steht sie auf einer Kerbe, nimmt sie die mittlere Walze mit. Beim sogenannten Double-Stepping kann die mittlere Walze aufgrund der Kerbenlogik bei zwei aufeinanderfolgenden Tastendrücken weitergeschaltet werden und nimmt dabei die linke Walze mit. Die Kerbe der linken Walze ist ohne Funktion. Die Griechenwalze steht still.

Verfahren Einfach und Spruchschlüssel

Einfach benutzt eine Startlage für den ganzen Text — gut zum Ausprobieren.

Spruchschlüssel folgt der historischen Vorschrift: der Tagesschlüssel liefert die Grundstellung; jede Nachricht bekommt zusätzlich vier Buchstaben als Spruchschlüssel. Daraus entsteht die Kopfgruppe, der Textkörper läuft unter dem Spruchschlüssel. Historisch mußte man diesen Spruchschlüssel nach Kenngruppen-Regeln wählen und von Hand übertragen.

Spruchschlüsselautomatik: Alberich kann die vier Buchstaben zufällig erzeugen. Das nimmt die Handarbeit der Vorschriften, ändert aber nicht die Maschine. Für den Alltag im Traditionell-Modus ist das die bequemere Variante; wer originalgetreu üben will, wählt den Spruchschlüssel weiterhin selbst.

Verwendung: Lernen, historische Simulation, klassische Übungen. Nicht der empfohlene Alltagspfad.

4.2 Modern V3 (aktueller Standard)

Modern V3 ist der empfohlene Alberich-Modus für den Alltag. Er ist ein offen spezifiziertes, experimentelles Rotor-Protokoll, das die historische Enigma-Idee konsequent für heutige Nutzungsszenarien weiterentwickelt. Die Walzen folgen einem vierstufigen Double-Step: die rechte Walze bewegt sich immer; Kerben der rechten, mittleren und linken Walze nehmen die jeweils langsameren mit — einschließlich der Griechenwalze. Die genaue Schrittregel und die Python-Referenz im öffentlichen Repository beschreiben dieselbe Maschine, die in der App läuft. Selbsttests prüfen, daß Browser, App und Referenz übereinstimmen.

  • Endwalze (E) statt Umkehrwalze (UKW). Der Signalfluß wird nicht umgekehrt. Ver- und Entschlüsseln sind deshalb verschiedene Wege. Alberich setzt das selbst um: du wählst nur „Klartext“ oder „Geheimtext“; die invertierte Endwalze bleibt unsichtbar.
  • Echt zufällige Lückenfüller-Kerben mit Anzahlen aus {5, 7, 9} stehen sichtbar auf der Tafel, unabhängig von Ringen und Steckern.
  • Base-26: beliebiger Text (einschließlich Umlaute, Zahlen, Emoji) wird intern in A–Z überführt, damit die Walzenmaschine Buchstaben verarbeiten kann. Du mußt nichts umkodieren.
  • Griechenwalze mitrotierend: anders als im Traditionell-Modus steht sie nicht mehr still. Steht die linke Walze auf einer Kerbe, bewegt sich auch die Griechenwalze. Ihre Ringstellung gilt.
  • Nachrichtenstruktur: jede Modern-Nachricht beginnt mit dem Stempel ALBV, trägt Kopfgruppe, Message-ID und Körper und endet mit einer Prüfgruppe. Die Prüfgruppe erkennt Veränderungen, bevor ein Klartext erscheint.
  • Automatischer Spruchschlüssel aus vier Buchstaben — die Startlagen aller vier Walzen, einschließlich der Griechenwalze.
  • Zwei Tafeltypen: V3 · Tagesschlüssel (ein Schlüssel pro Kalendertag) und V3 gehärtet (unabhängiger Vollschlüssel je Zeitslot). Das Telegramm bleibt ALBV. Details in Kapitel 5.

Fixpunkte auf der Endwalze: ein Buchstabe darf auf sich selbst abgebildet werden (A → A). Das ist bei einer freien Permutation zulässig und bei der historischen UKW unmöglich.

Involutionen werden verworfen: eine Involution ist eine Vertauschung in Paaren (wie die UKW). Solche Endwalzen erzeugt Alberich nicht. Kommt beim zufälligen Erzeugen trotzdem eine Involution heraus, wird sie verworfen und neu erzeugt — damit Modern V3 nicht versehentlich wieder selbstinvers wird.

TraditionellModern V3
Involutionjanein (Alberich trennt Ver- und Entschlüsseln)
ZeichensatzA–Zbeliebiger Text, intern Base-26
UKW / EWUmkehrwalze Bruno / Caesar / DoraEndwalze, freie 26-Permutation
Griechenwalzevier Startlagen; ohne Schritt; Ring giltvier Startlagen; mitrotierend; Ring gilt
Kerbenwie das historische Originalzufällige Lückenfüller aus dem Tagesschlüssel
Spruchschlüsselmanuell oder automatisch erzeugtautomatisch, 4 Buchstaben
IntegritätPrüfgruppe, wird zuerst geprüft
StempelALBV

5. Schlüsseltafeln, Codebooks & Netze

Kurz gesagt

Zwei Tafeltypen für Modern V3: Tagesschlüssel (JSON/QR) und V3 gehärtet (Zeitslots, Datei .alb3cb2). Bis zu fünf Netze. Not-Aus löscht alles in diesem Gerät.

Monatstafel in der App: Tage, Walzen, Ringe, Stecker
Monatstafel in der Android-App (Modern V3). Jede Zeile ist ein Tagesschlüssel; Endwalze und Lückenfüller stehen auf der Tafel.

Modern V3 kennt zwei Tafeltypen. Beide erzeugen normale ALBV-Nachrichten. Der Cipher-Kern ändert sich nicht. Sender und Empfänger brauchen denselben Typ und dieselbe Tafel.

  • V3 · Tagesschlüssel: ein vollständiger V3-Schlüssel pro Kalendertag. Teilen als JSON, Standbild-QR (ALBERICH-CBQR1) oder Text.
  • V3 gehärtet: ein vollständiger, unabhängiger V3-Schlüssel je Zeitslot. Teilen als Binärdatei .alb3cb2; in der Web-App zusätzlich als Live-QR (CBQR2). JSON und Standbild-QR tragen keine gehärtete Tafel.

Traditionell bleibt beim klassischen Monatsschlüsselzettel. Der Companion (Chrome, Edge, Firefox, Thunderbird) kennt nur den Tagesschlüssel, keinen gehärteten Tafelgenerator.

5.1 V3 · Tagesschlüssel

  • Erzeugen: Im Setup eine Monatstafel zufällig erzeugen.
  • Tafelwort: ein kurzer, nicht geheimer Vergleichswert auf Basis von CRC-32 (Anzeige XXXX XXX). Es hilft, versehentliche Abweichungen zwischen Tafeln schnell zu erkennen — ein alltagstauglicher Plausibilitätscheck. Es ist keine Signatur und keine kryptographische Authentisierung; CRC-32-Kollisionen sind grundsätzlich möglich. Für sensible Nutzerkreise die Übereinstimmung über einen unabhängigen Weg bestätigen.
  • Netze: historische Bezeichnung für unterschiedliche Gruppen — Familie, Freunde, Arbeitskollegen. Bis zu fünf benannte Netze, je eine Tafel. So kann niemand aus einer anderen Gruppe mitlesen; die Trennung erhöht die Sicherheit. „Tafel entfernen“ leert nur das aktive Netz. Wiederimport oder Löschen setzt das lokale Spruchschlüssel-Register nicht zurück.
  • Import/Export: JSON, QR (ALBERICH-CBQR1), Text, optional NFC. Tafel-QR und Kurier-QR sind getrennt.

Not-Aus. Löscht alle Tafeln in diesem Browser bzw. in dieser App unwiderruflich. Bestätigungspflichtig.

Wichtige Regel. Der Tagesschlüssel gilt für den ganzen Tag. Alberich erzeugt den vierbuchstabigen Spruchschlüssel kryptographisch zufällig. Da 26⁴ = 456 976 mögliche Werte existieren, sind zufällige Wiederholungen grundsätzlich möglich; die Message-ID ist davon unabhängig und ersetzt die Walzenstellung nicht. Beim Senden verweigert Alberich einen Spruchschlüssel, der unter diesem Vollschlüssel schon verwendet wurde (lokales Register, fail-closed). Entschlüsseln trägt keinen neuen Eintrag ein. Ist eine Tafel kompromittiert (abfotografiert, weitergeleitet, auf einem unsicheren Rechner gelegen), muß sie sofort durch eine neue ersetzt werden. Sonst sind die Nachrichten dieses Zeitraums nicht mehr sicher.

Die Demo-Tafel (Tafelwort CPTZ YYH) ist öffentlich. Sie dient nur Demonstrationszwecken und darf nicht für persönliche Nachrichten mit sensiblem Inhalt verwendet werden. Tag 16 dieser Tafel ist der dokumentierte Prüftag der Beispielnachrichten im Anhang.

5.2 V3 gehärtet

V3 gehärtet ist ausgeliefert (Web 1.0 Revision 65, Android 1.0 Revision 31). Es ist Modern V3 mit automatisch wechselndem vollständigem Schlüssel: Endwalze und Lückenfüller stehen auf der Tafel, Telegramm ALBV. Die Uhr wählt den Zeitraum; sie erzeugt den Schlüssel nicht.

  • Schlüsselgültigkeit: 24 Stunden · Einfach, 4 Stunden · Empfohlen (Voreinstellung), 1 Stunde · Hoher Schutz. Alle Teilnehmer eines Netzes brauchen dieselbe Tafel und das gleiche Profil.
  • Alberich-Schlüsselzeit: ganzjährig MEZ (UTC+1), ohne Sommerzeit, unabhängig von der Zeitzone des Geräts.
  • 24 Stunden · Einfach hat denselben Tagesrhythmus wie der Tagesschlüssel, aber Live-QR bzw. Datei und MEZ statt JSON oder Standbild. Weniger Nachrichten unter einem Schlüssel: 4 Stunden.
  • Pin vor Uhr: eine schon begonnene Nachricht bleibt auf ihrem Zeitslot. Neue Nachrichten nutzen den dann aktuellen Schlüssel.
  • Empfang: die Prüfgruppe sucht den passenden Slot selbst (MAC-first). Keinen Zeitraum wählen.
  • Vergleich: gehärtete Tafeln zeigen Monat und Fingerprint, nicht das Legacy-Tafelwort.
  • Transfer: Web per Live-QR (CBQR2, dynamisch) oder Binärdatei .alb3cb2. Android per Datei .alb3cb2 — kein MUR-Live-QR. JSON und Standbild-QR bleiben dem Tagesschlüssel vorbehalten.

Was V3 gehärtet nicht ist. Es ändert nicht heimlich den untersuchten V3-Algorithmus. Es weist die bekannte Kurzperiodenklasse noch nicht automatisch zurück (Labor). Es gibt keine getrennten Schlüsselrichtungen und keinen Session- oder One-Shot-Modus. Wer die Tafel hat, liest alle Sprüche des jeweiligen Zeitslots.

6. Kurier-Modus

Kurz gesagt

Offline tippen und verschlüsseln, per QR auf das Online-Gerät, von dort in den Messenger. Umgekehrt beim Empfang.

Klartext bleibt offline. Beim Kurier-Modus übernimmt das Offline-Gerät die Kryptographie. Das Online-Gerät transportiert ausschließlich Alberich-Geheimtext. Dadurch müssen weder Klartext noch Tagesschlüssel dem Messenger-Gerät anvertraut werden. Den fertigen Geheimtext zeigt Alberich als QR-Code; das Online-Gerät scannt ihn und versendet ihn über den gewünschten Kanal. Der Empfänger macht es spiegelbildlich: Geheimtext aus dem Messenger → QR → Offline-Gerät entschlüsselt.

Kurier-Ablauf in vier Schritten: Offline tippen, QR, Air Gap, Messenger nur Geheimtext
Vier Schritte: Offline verschlüsseln, QR über die Luftlücke, Online scannen, in den Messenger. Klartext bleibt links der Lücke.

Kurier trennt Rechnen und Transport. Ver- und Entschlüsseln bleiben auf einem zweiten Gerät, das dauerhaft offline bleibt (Kurier aus, Flugmodus). Das Alltagsgerät (Kurier an) sieht nur den fertigen Geheimtext.

Warum das gegen client-side-scanning (Chatkontrolle 2.0) hilft: solche Vorhaben zielen auf das Kommunikationsgerät. Liegen Klartext und Tagesschlüssel nie dort, sieht ein Scan nur Geheimtext. Der Kurier ändert nicht die Chiffre. Er ändert, wo gerechnet wird.

GerätSchalterAufgabe
OfflineKurier ausTafel, Klartext, Ver- und Entschlüsseln
OnlineKurier annur QR und Buchstaben — keine Tafel, kein Klartext
+---------------------------+                     +---------------------------+
| OFFLINE                   |                     | ONLINE                    |
|                           |      AIR GAP        |                           |
| [Klartext]                |                     |              [Messenger]  |
|      |                    |                     |                    ^      |
|      v                    |                     |                    |      |
| Alberich verschlüsselt    |  QR / ALBERICH-     |                    |      |
|      |                    |  CTQR1  ----------> |                    |      |
|      v                    |                     |                    v      |
| [Geheimtext]              |                     |      [nur Geheimtext]     |
+---------------------------+                     +---------------------------+
  • Ein Kurier-QR faßt höchstens 955 Geheimtext-Buchstaben. Ohne Kurier-Verfahren kannst du die Längenwarnung ignorieren.
  • Tafel-QR importiert keine Schlüssel in den Kurier.
  • Standard nach dem ersten Start: Kurier aus. Einschalten fragt nach.

Grenzen des Schutzbereichs — nicht des Prinzips. Kurier schützt Klartext und Tafel auf dem Messenger-Gerät. Er schützt nicht vor einem kompromittierten Offline-Gerät, vor einer Kamera auf den Bildschirm, vor Messenger-Metadaten oder vor physischem Zugriff. Das Offline-Gerät darf nicht „kurz online“ gehen; keine Cloud-Backups, keine Screenshots vom Klartext.

7. Das kryptographische Herz

Kurz gesagt

Traditionell geht der Strom zur Umkehrwalze und denselben Weg zurück. Modern V3 geht einmal durch die Endwalze. Die Prüfgruppe kommt zuerst.

7.1 Traditioneller Pfad (historische M4)

Signalweg Traditionell mit Umkehrwalze in der Mitte
Klartext tritt oben ins Steckerbrett ein, Geheimtext verläßt es unten. Die Umkehrwalze steht in der Mitte: links der Hinweg, rechts der Rückweg.
Klartext
   |
   v
Steckerbrett → Rechte Walze → Mittlere Walze → Linke Walze → Griechenwalze
                                                                   |
                                                                  UKW
                                                                   |
Steckerbrett ← Rechte Walze ← Mittlere Walze ← Linke Walze ← Griechenwalze
   |
   v
Geheimtext

Involutorik: Die UKW vertauscht Buchstaben in Paaren. Deshalb ist der ganze Weg selbstinvers: zweimal dieselbe Taste gibt den Klartext zurück. Deshalb chiffriert kein Buchstabe sich selbst — die klassische Crib-Hilfe zum Brechen der Verschlüsselung.

Klassisches Stepping: Die rechte Walze bewegt sich immer. Steht sie auf einer Kerbe, nimmt sie die mittlere Walze mit. Beim Double-Stepping kann die mittlere Walze aufgrund der Kerbenlogik bei zwei aufeinanderfolgenden Tastendrücken weitergeschaltet werden und nimmt dabei die linke Walze mit. Die Kerbe der linken Walze ist ohne Funktion. Die Griechenwalze steht still.

Die Walzenverdrahtungen (I–VIII, Beta, Gamma, UKW Bruno/Caesar) sind historisch und ändern sich nicht.

Warum die Enigma historisch schwach war
  • Involution und „kein Buchstabe auf sich selbst“. Bekannter Klartext (Cribs) schließt viele Lagen sofort aus. Die Bombe nutzte genau das.
  • Verfahrensfehler. Zeitweise verdoppelter Spruchschlüssel, stereotype Anreden und Wetterberichte, nachlässige Walzenwahl. Oft war der Mensch das schwächste Glied.
  • Stehende Griechenwalze und kurze Perioden. Die M4 gewinnt eine Walze im Stromweg, aber diese Walze bewegt sich im Betrieb nicht. Wiederholungen bleiben beobachtbar.
  • Begrenzter Schlüsselraum im Feld. Steckerbrett und Walzenwahl wirken groß; in der Praxis griffen Disziplin, erbeutete Tafeln und cribs. Reine Schlüsselzählerei greift zu kurz.
  • Keine Integrität. Eine veränderte Nachricht bleibt eine gültige Buchstabenfolge. Die historische Maschine merkt das nicht.

Alberich im Traditionell-Modus zeigt diese Maschine ehrlich — einschließlich ihrer Schwächen. Mehr im Blog: Historische Schwächen der Enigma.

7.2 Modern V3 — Signalweg und Maschine

Modern V3: Steckerbrett bis Endwalze, ohne Rückweg
Klartext tritt oben ins Steckerbrett ein, Geheimtext verläßt die Endwalze unten. Einmal durch, kein Rückweg.
Klartext
   |
   v
Steckerbrett → Rechte Walze → Mittlere Walze → Linke Walze → Griechenwalze → Endwalze
                                                                             |
                                                                             v
                                                                           Geheimtext

Beim Entschlüsseln verwendet Alberich dieselbe Schrittfolge und die inverse Endwalze. Du mußt das nicht einstellen; die App wechselt den Weg, sobald die Eingabe Geheimtext ist.

Die Endwalze ist eine freie 26-Buchstaben-Permutation, nicht involutorisch. Bruno, Caesar und Dora sind nicht der Modern-Standard.

Startlage und Ring der Griechenwalze. Die Grundstellung umfaßt vier Buchstaben — die sichtbare Startlage aller vier Walzen, einschließlich der Griechenwalze. Das gilt in Traditionell und in Modern. Während der Chiffrierung dreht die Griechenwalze in Traditionell nicht mit. Die Ringstellung der Griechenwalze ist etwas anderes: sie gilt in Traditionell wie auf der historischen M4 und in Modern V3. Sie verschiebt, welche Verdrahtung bei welcher sichtbaren Lage aktiv ist. Daß die Griechenwalze in Traditionell nicht mitdreht, ändert daran nichts. Die Grundstellung verschlüsselt in Modern den Spruchschlüssel-Kopf und gehört zum kanonischen Tagesschlüssel der Prüfgruppe. Eine falsche Grundstellung läßt die Prüfgruppe scheitern; Klartext erscheint nicht.

Wie die Endwalze zufällig erzeugt wird

Alberich zieht eine zufällige Permutation über die Kryptographie-Schnittstelle des Geräts. Kommt eine Involution heraus (Paarvertauschung wie bei der UKW), wird sie verworfen und neu erzeugt. Das ist eine interne Schutzregel, kein Bedienvorgang.

7.3 Walzenschritt V3

Die Kerben werden gelesen, bevor sich die Walzen bewegen. Modern V3 verwendet den vierstufigen Double-Step. Beim sogenannten Double-Stepping kann die mittlere Walze aufgrund der Kerbenlogik bei zwei aufeinanderfolgenden Tastendrücken weitergeschaltet werden:

Vier Walzen und Double-Step-Regeln mit deutschen Bezeichnungen
Wenn …dann bewegt sich …
jeder Tastendruckdie rechte Walze
die rechte Walze auf einer Kerbe stehtauch die mittlere Walze
die mittlere Walze auf einer Kerbe stehtlinke und mittlere Walze (Double-Step)
die linke Walze auf einer Kerbe stehtGriechenwalze und linke Walze (Double-Step)
Griechenwalzehat keine Kerben und treibt keine andere Walze an
  Griechenwalze   Linke Walze   Mittlere Walze   Rechte Walze
        ^              ^              ^                *
        |              |              |                |
        +------ Double-Step ------+                    |
                       |              +---- bei Kerbe -+
                       +---- bei Kerbe der mittleren --+

7.4 Base-26-Kodierung

Die Walzenmaschine kennt nur A–Z. Deshalb wird die UTF-8-Nachricht zuerst in eine große ganze Zahl verwandelt und dann in 26er-Schreibweise als Buchstabenkörper ausgegeben:

n ← 0
für jedes Byte b:  n ← n × 256 + b
anschließend n als A–Z-Ziffern (Basis 26)

Aus der Buchstabenzahl des Körpers läßt sich die ursprüngliche Bytelänge eindeutig zurückgewinnen. Eine leere Nachricht bleibt leer. Ungültige Längen oder kein gültiges UTF-8 werden abgewiesen.

Ein weiteres Zeichen ändert die ganze Zahl (mal 256 plus das neue Byte). Deshalb wirkt der Geheimtextkörper beim Weitertippen durchmischt — das ist eine Folge der Kodierung, kein Beweis für Avalanche im kryptographischen Sinn. Empfohlene maximale Nachrichtenlänge im Alltag: 4096 Zeichen.

7.5 Nachrichtenstruktur und Prüfgruppe

Eine Modern-Nachricht besteht nur aus A–Z. Die Einteilung in Vierergruppen ist reine Anzeige. Mindestlänge 36 Buchstaben. Der Stempel ALBV sagt: dies ist eine Modern-V3-Nachricht.

ALBV | Kopf (4) | Message-ID (8) | Körper | Prüfgruppe (20)
ALBV Kopf Message-ID Körper Prüfgruppe
ALBV KCBD TESTMSGX XWSWIYDBU EFRKEQMITQRCOGPDSZAL

Der Kopf trägt den Spruchschlüssel: vier Walzenlagen einschließlich der Griechenwalze, unter der Grundstellung des Tages verschlüsselt. Die Message-ID sind acht Zufallsbuchstaben, keine Walzenlage. Sie steht im Klartext in der Nachricht und geht in die Prüfgruppe ein. Die Message-ID ermöglicht Alberich, bereits gesehene Nachrichten im lokalen Replay-Cache zu erkennen. Dieser Schutz ist bewußt lokal und benötigt keinen Cloud-State. Die Erkennung gilt in der laufenden Sitzung (bis zu 512 Einträge) und ist nicht zwangsläufig über Neustarts oder Geräte hinweg persistent. Der Körper ist der Base-26-Klartext, durch die Maschine geschickt, laufend unter dem Spruchschlüssel.

Die Prüfgruppe ermöglicht Alberich, Manipulationen oder falsche Schlüssel zu erkennen, bevor Klartext freigegeben wird. Technisch: aus dem kanonischen Tagesschlüssel wird mit HKDF-SHA-256 (salt ALBERICH-ALB3-AUTH, info pruefgruppe-v1) ein Authentisierungsschlüssel abgeleitet; darüber läuft HMAC-SHA-256, dessen erste 12 Bytes als 20 Buchstaben Base-26 kodiert werden (etwa 94 Bit Tag-Raum). Die Prüfgruppe erhöht Integritäts- und Authentizitätsprüfung, nicht den nominellen Vertraulichkeits-Schlüsselraum. Stimmt sie nicht, erscheint kein Klartext.

Die Prüfgruppe wird aus einer kanonischen Niederschrift des Tagesschlüssels berechnet. Darin steht unter anderem die Netzbezeichnung. Alberich verwendet hier fest das Kürzel ALB — nicht die interne Nummer, die jedes Gerät einem Netz lokal zuweist. Diese lokale Nummer hätten Sender und Empfänger nicht gemeinsam; die Prüfgruppe würde scheitern, obwohl beide dieselbe Tafel haben.

Kanonischer Tagesschlüssel des dokumentierten Prüftags (Demo-Tafel, 16. August 2026):

ALB3-KEY
net:ALB
epoch:2026-08-16
rotors:Beta,V,VI,VIII
rings:EPEL
ground:CDSZ
plugs:AE BF CM DQ HU JN LX PR SZ VW
end:QWERTYUIOPASDFGHJKLZXCVBNM
notches:AFLRX|BEIMQUY|CDHKNPSVZ

7.6 Schlüsselraum und Sicherheitsaussagen

Die folgenden Zahlen gelten nur für das Modern-V3-Standardprofil (vier Walzen nach den Auswahlregeln, zehn Steckerpaare ohne wiederholte Buchstaben, freie nicht-involutorische Endwalze, drei Lückenfüller aus {5,7,9}, Zufall aus der Kryptographie-Schnittstelle des Geräts — CSPRNG, ein kryptographisch sicherer Zufallszahlengenerator). Wer Walzen oder Stecker von Hand anders setzt, kann diese Zählung nicht übernehmen.

Was „Schicht“ hier heißt. Es sind nicht fünf übereinanderliegende Chiffren, sondern fünf Sichten auf ein einziges System — so berichtet die öffentliche Research-Zählung, damit niemand die bloße Kombinatorik als Angriffskosten verkauft.

  • A Support — wie viele Standard-Tafeln es überhaupt geben kann (reine Kombinatorik).
  • B Shannon — wie gleichmäßig der Zufallsgenerator über diesen Raum streut (tatsächliche Entropie).
  • C Min-Entropie — die ungünstigste, also wahrscheinlichste Generator-Ausgabe.
  • D Equivalent-key — ob Einstellungen elektrisch wirkungslos wären (tote Felder).
  • E Bester bekannter Angriff — was bisher wirklich gemessen wurde, nicht was die Bit-Zahl verspricht.
SchichtWas gezählt wirdWas das für dich heißt
A SupportAlle zulässigen Standard-Tafeln: Walzenwahl, vier Ringe, Grundstellung, zehn Steckerpaare, freie Endwalze, drei Lückenfüller. Zusammen ≈248 Bit kombinatorische Support-Größe des Standardprofils.Das beschreibt den nominellen kombinatorischen Konfigurationsraum, nicht eine nachgewiesene kryptographische Sicherheitsstärke von 248 Bit.
B ShannonWie gleichmäßig der Zufallsgenerator über diesen Raum streut. Kerbenmengen der Größe 5 sind etwas häufiger als solche der Größe 9.Die Tafel, die du bekommst, ist echt zufällig — nicht jede theoretische Kombination ist gleich häufig, der Abstand ist dokumentiert.
C Min-EntropieDie ungünstigste (wahrscheinlichste) Generator-Ausgabe, in Bits.Ein ehrlicher Unterboden: auch im schlechtesten Fall bleibt der Raum groß.
D Equivalent-keyFelder, die elektrisch nichts ändern würden.Bei Live-V3 bisher keine bekannten toten Felder. Die Untersuchung bleibt offen — das ist Forschung, kein versteckter Mangel.
E Bester bekannter AngriffWas im öffentlichen Research-Ordner bisher gemessen wurde.Im veröffentlichten Research-Stand vom September 2026 ist kein vollständiger praktischer Tagesschlüsselbruch ohne Schlüsselgaben demonstriert. Ausführlich: Kapitel 9 Labor.

≈248 Bit kombinatorische Support-Größe des Standardprofils. Diese Größe beschreibt den nominellen kombinatorischen Konfigurationsraum. Sie entspricht nicht einer nachgewiesenen kryptographischen Sicherheitsstärke von 248 Bit. Der große Konfigurationsraum ist ein Merkmal von Modern V3 und wird bewußt getrennt von einer Aussage über tatsächliche Angriffskomplexität dargestellt — Open Source, Kerckhoffs-konform, mit Selbsttests und Python-Referenz.

Was Alberich absichtlich nicht löst. Forward Secrecy im klassischen Sinne (wie bei Signal): dort wird nach jeder Nachricht neues Schlüsselmaterial ausgehandelt. Wer den heutigen Schlüssel stiehlt, kann die gestrigen Nachrichten trotzdem nicht lesen. Bei V3 · Tagesschlüssel gilt der Schlüssel für den ganzen Tag; bei V3 gehärtet für den Zeitslot (24, 4 oder 1 Stunde). Wer die Tafel hat, liest alle Sprüche dieser Epoche. Andere Epochen mit anderem Schlüssel bleiben unberührt; das ersetzt keine Ratchet-Forward-Secrecy.

Anonymität: Alberich versteckt nicht, wer mit wem spricht. Der Messenger sieht Absender, Empfänger und Zeitpunkt weiterhin. Metadaten, eine gestohlene Tafel und ein kompromittiertes Offline-Gerät liegen außerhalb der Chiffre.

8. Sicherheit, Bedrohungsmodell & gute Praxis

Kurz gesagt

Kein Server, kein Account. Die Tafel ist das Geheimnis. Der Kurier schützt das Online-Gerät, nicht die Metadaten.

Die Tabelle beschreibt typische Situationen, nicht eine Rangliste der Chiffre. Links der Gegner, in der Mitte was Alberich dagegen tut, rechts was du organisatorisch selbst in der Hand hast.

SituationWas Alberich leistetWas du tun kannst
Jemand fängt eine Nachricht im Messenger abOhne die Monatstafel gibt es keinen Walzenweg und keine gültige Prüfgruppe. Der Abfangende sieht ALBV-Gruppen, nicht den Klartext.Tafel nicht über denselben Kanal schicken. Länge und Zeitpunkt bleiben am Kanal sichtbar — das ist Metadaten, nicht die Chiffre.
Partner hat eine andere Tafel geladenDie Prüfgruppe schlägt fehl; es erscheint kein Klartext und kein Halbentschlüsseltes.Tafelwort (Tagesschlüssel) bzw. Monat und Fingerprint (V3 gehärtet) vergleichen, bevor der erste Spruch geht. Weicht es ab, Tafel erneut teilen.
Das Online-Gerät (Messenger-Handy) ist unsicherIm Kurier-Modus liegen Klartext und Tafel nicht auf diesem Gerät. Ein Scan sieht nur Geheimtext.Kurier wirklich nutzen. Ohne Kurier stehen Tafel und Klartext in der App auf genau diesem Gerät.
Das Offline-Gerät gerät in fremde HändeDie Chiffre kann ein physisch offenes Gerät nicht schützen: Tafel und oft Klartext liegen dort.Gerät sperren, Not-Aus, neue Tafel an die Partner. Wer das Offline-Gerät hat, kann auch neue Nachrichten erzeugen und per QR einspeisen.
Die Tafel wurde unsicher verteilt oder veröffentlicht (Foto, Mail, Cloud)Mit der Tafel sind alle Nachrichten der jeweiligen Epoche les- und fälschbar (Tag oder Zeitslot). Das ist kein Versagen der Chiffre — die Tafel ist das Geheimnis.Sofort Not-Aus bzw. Tafel entfernen und eine neue Tafel ausgeben. Alte Sprüche dieses Zeitraums als unsicher behandeln.
Offene Prüfung / LaboranalyseAlgorithmus, Selbsttests und Research liegen öffentlich. Transparenz ist ein Feature: wer den Code kennt, soll ihn prüfen können.Im dokumentierten Bedrohungsmodell ist die Kompromittierung von Tafel oder Endgerät einer der direktesten praktischen Angriffspfade. Kryptanalyse bleibt ausdrücklich Gegenstand offener Forschung.
Gefälschte oder untergeschobene WebseiteDie Chiffre auf einer fremden Seite schützt nicht. Beliebiger Programmcode könnte Schlüssel abführen.Offizielle Adresse alberich.pro, Companion oder Android-App nutzen. Android nur über Play oder alberich.pro/fdroid (Fingerprint prüfen). Offline-Kopie der Web-App mit dem öffentlichen Repository vergleichen.

Was Alberich bietet — und was es bewußt nicht behauptet

Transparenz ist ein Feature, keine Schwäche.

Produktversprechen und Grenzen
Was Alberich bietetWas Alberich bewußt nicht behauptet
Lokal, nachvollziehbar, offen spezifiziert, reproduzierbare TestsKein formaler Sicherheitsbeweis
Keine Telemetrie, keine Cloud-Schlüssel, kein KontoKein Ersatz für etablierte AEAD-Protokolle
Air-Gap-fähiger Kurier, sichtbare MaschinenlogikKein Schutz vor einem vollständig kompromittierten Offline-Endgerät; keine Verschleierung von Messenger-Metadaten
Traditionell als historische Simulation; Modern V3 als AlltagsmodusTraditionell ist keine Alltags-Chiffre

Gute Praxis

  • Tafelwort (Tagesschlüssel) bzw. Monat und Fingerprint (V3 gehärtet) auf einem anderen Weg vergleichen als dem, über den die Nachrichten laufen. Tafel nicht fotografieren und nicht in die Cloud legen.
  • Walzen und Schlüssel nur bei leeren Textfeldern ändern. Aktiven Modus oben prüfen.
  • Traditionell und Modern nicht vermischen: unterschiedlicher Algorithmus, nicht kompatibel.
  • Kurier nutzen, wenn das Online-Gerät nicht vertrauenswürdig ist. Offline-Gerät nie „kurz online“.
  • Not-Aus, wenn Gerät oder Tafel verloren ist, und anschließend neue Tafel an die Partner.

Chatkontrolle 2.0 / client-side-scanning: Der Kurier hilft gegen Scans auf dem Messenger-Gerät, weil dort weder Klartext noch Tafel liegen. Er hilft nicht gegen Metadaten, gegen das Offline-Gerät, gegen eine unsicher verteilte oder veröffentlichte Tafel oder gegen eine gefälschte Webseite.

Die interne Kryptoanalyse von Modern V3 — Angriffe, Grenzen und der öffentliche Evidence-Snapshot — steht in Kapitel 9 Labor.

9. Labor: Wir haben Modern V3 angegriffen

Kurz gesagt

Ohne Teile des Tagesschlüssels vorab zu kennen, ist in der internen Kryptoanalyse kein praktischer vollständiger Tagesschlüsselbruch gelungen. Das ist kein Sicherheitsbeweis. Protokolllecks, Wiederverwendung und eine eingeschränkte Schwachschlüsselklasse sind bekannt. Nächster Schritt: unabhängige externe Prüfung.

Wie sicher ist Alberich Modern V3 wirklich? Statt darauf zu vertrauen, daß ein großer Schlüsselraum schon genügen wird, hat das Labor versucht, das Verfahren systematisch zu zerlegen: mit abgefangenen Nachrichten, bekannten Klartexten, sehr langen Nachrichten, vielen Nachrichten desselben Schlüssels, wiederverwendeten Spruchschlüsseln, Teilwissen über Schlüsselkomponenten, Zustands- und Periodenanalysen sowie gezielten Angriffen auf die Rotorstruktur.

Ohne Teile des Tagesschlüssels vorab zu kennen, ist es in der umfangreichen internen Kryptoanalyse nicht gelungen, den vollständigen Modern-V3-Tagesschlüssel praktisch zurückzugewinnen.

Das ist ein starkes Ergebnis — aber kein Sicherheitsbeweis. Gleichzeitig wurden konkrete Schwächen und Betriebsrisiken gefunden. Genau dafür gibt es das Labor: nicht um perfekte Sicherheit zu behaupten, sondern um Schwächen sichtbar zu machen, bevor andere sie finden.

Interner Abschlußstatus
V3_INTERNAL_CRYPTOANALYSIS_CLOSED_PENDING_EXTERNAL_REVIEW

Zielalgorithmus
Alberich Modern V3 · Fingerprint 909cc1f35c98789c

Warum ein Kryptoanalyse-Labor?

Die historische Enigma wurde nicht deshalb gebrochen, weil ihre Konstrukteure zu wenig Technik eingebaut hätten. Sie wurde gebrochen, weil Struktur, Wiederverwendung, Betriebsverfahren und mathematische Beziehungen ausgenutzt werden konnten.

Der Algorithmus darf bekannt sein. Das Geheimnis ist der Schlüssel.

Modern V3 ist offen spezifiziert. Quellcode, Testvektoren und Forschungsartefakte sollen überprüfbar sein. Transparenz ist hier Voraussetzung für belastbarere Aussagen, kein Risiko.

Die Laborfrage war deshalb nie nur „Wie groß ist der Schlüsselraum?“, sondern: Kann ein Angreifer Struktur finden, die den großen Raum praktisch zusammenschrumpfen läßt?

Kurzfassung: Modern V3 nach der Kryptoanalyse

Ergebnis der internen Kampagne — keine Bit-Sicherheitsaussage
FrageErgebnis
Wurde der vollständige Tagesschlüssel ohne Schlüsselwissen praktisch gebrochen?Nein.
Kann man aus ein paar abgefangenen Nachrichten einfach den Schlüssel berechnen?Mit den getesteten Angriffen: nein.
Helfen sehr lange bekannte Klartexte?Ja — als starker Filter, aber sie erzeugen nicht den richtigen Schlüssel.
Verrät die Kopfgruppe etwas?Ja. Sie verrät Gleichheitsbeziehungen zwischen Spruchschlüsselbuchstaben. Kein Vollbruch, aber unnötige Information.
Ist Wiederverwendung eines Spruchschlüssels gefährlich?Ja. Same-MK kann zusammen mit einem Klartextkatalog praktisch ausnutzbar sein.
Gibt es schwache Schlüsselklassen?Eine konkrete Klasse wurde gefunden. Praktisch ausnutzbar wurde sie im Test erst bei extrem langem bekanntem Klartext.
Gibt es Angriffe mit bereits bekanntem Schlüsselmaterial?Ja. Unter starken Schlüsselgaben wurden Komponenten bis hin zum Vollschlüssel rekonstruiert.
Ist Alberich damit „bewiesen sicher“?Nein. Eine unabhängige externe Prüfung steht noch aus.

Vier Zahlen, die den Abschluß zusammenfassen

0

praktische vollständige No-Gift-Tagesschlüsselbrüche in der abgeschlossenen internen Kampagne

25/25

Wahrheitskontrollen im abschließenden H1024-Langnachrichtenversuch bestanden

0/9

Instanzen erreichten im gemeinsamen Kopfgruppen-/Körperangriff das vorab definierte Gate für einen materiellen neuen Outer-Generator

0/8 → 8/8

Kurzperiodenklasse: kein Erfolg bis 4 096 bekannte Zeichen; erst bei 16 384 Zeichen 8/8

Diese Zahlen sind keine „Sicherheitsbits“. Sie beschreiben konkrete Experimente unter klar definierten Bedingungen.

Was wurde angegriffen?

Die interne Analyse ging deutlich über simples Durchprobieren hinaus. Untersucht wurden unter anderem die folgenden Angriffsklassen.

1. Ciphertext-only: nur abgefangener Geheimtext

Das härteste und zugleich realistischste passive Modell: Der Angreifer kennt den Algorithmus und sieht Alberich-Nachrichten, kennt aber weder Klartext noch Tagesschlüssel.

Untersucht wurden statistische Eigenschaften des Geheimtexts, Häufigkeiten und Wiederholungen, Zustands- und Zyklusmerkmale, Multi-Message-Beziehungen, Kopfgruppenstrukturen sowie Such- und Rankingverfahren.

Ergebnis: Ein praktischer allgemeiner Ciphertext-only-Angriff auf den vollständigen Tagesschlüssel wurde nicht gefunden. Das bedeutet nicht, daß ein solcher Angriff unmöglich ist. Es bedeutet, daß die untersuchten internen Angriffsfamilien keinen praktischen Weg gefunden haben.

2. Viele Nachrichten mit demselben Tagesschlüssel

Ein Angreifer kann oft nicht nur eine Nachricht abfangen, sondern viele. Deshalb wurde untersucht, ob sich Informationen über mehrere Nachrichten eines Tages kombinieren lassen. Dabei wurde ein echtes Protokollleck gefunden:

Gleiche Zeichen in derselben Position der öffentlichen Kopfgruppe verraten, daß dort dieselben Spruchschlüsselbuchstaben verwendet wurden.

Das ist mathematisch exakt und für einen Beobachter kostenlos sichtbar. Wichtig ist aber das Ergebnis des abschließenden Joint-Header/Body-Angriffs: Selbst wenn diese Kopfgruppeninformation direkt mit den Chiffretextkörperbedingungen gekoppelt wird, entstand in unserem Test kein neuer praktischer Weg durch den gesamten äußeren Schlüsselraum.

Die Kopfgruppe verrät mehr, als wir künftig verraten möchten — sie hat den Tagesschlüssel aber nicht geöffnet.

Für V4 wird diese Information trotzdem beseitigt.

3. Sehr lange bekannte Nachrichten

Bekannter Klartext ist ein klassisches Szenario: Ein Angreifer kennt einen Teil des ursprünglichen Textes und den dazugehörigen Geheimtext. Modern V3 wurde mit langen bekannten Texten bis zu mehreren Tausend Zeichen getestet.

Lange bekannte Nachrichten sind sehr gut darin, falsche Schlüsselhypothesen zu zerstören. Sie sind nicht gut darin, die richtigen Hypothesen überhaupt erst zu erzeugen.

Im abschließenden EXP-077-Lauf blieb die wahre Hypothese in 25 von 25 Wahrheitskontrollen erhalten. Gleichzeitig wurden falsche Kandidaten mit zunehmender Nachrichtenlänge stark herausgefiltert. Die Wirkung hängt deutlich von der Textstruktur ab. Bei stärker strukturierten Testprofilen verschwanden die verbliebenen falschen H1024-Kandidaten bis 4 096 Zeichen praktisch vollständig. Das schwierigste Profil war das vielfältigere, weniger regelmäßig strukturierte Material.

Langnachrichtenfilter: stark. Vollschlüsselbruch: nein.

4. Kopfgruppe und Nachrichtenkörper gemeinsam

Wenn die Kopfgruppe Beziehungen über den Spruchschlüssel verrät und derselbe Spruchschlüssel anschließend den Rotorstart des Nachrichtenkörpers bestimmt — läßt sich beides zu einem neuen, viel billigeren Angriff verbinden? Genau das wurde in EXP-079 getestet.

Die gemeinsame Analyse konnte die Zahl passender Kandidaten gegenüber der Kopfgruppe allein stark reduzieren. Entscheidend ist der Vergleich mit dem bereits vorhandenen Körperangriff: Dort entstand kein materieller neuer Outer-Generator. Das vorher festgelegte Erfolgstor wurde verfehlt, deshalb wurde bewußt kein langer Rechenlauf hinterhergeschoben.

Die naheliegendste bekannte Verbindung aus Kopfgruppe und Körper hat den bisher größten No-Gift-Engpaß nicht aufgebrochen.

5. Wiederverwendete Spruchschlüssel

Ein Spruchschlüssel gehört zu genau einer Nachricht. Wird derselbe Spruchschlüssel unter derselben Konfiguration wiederverwendet, entstehen zusätzliche Beziehungen zwischen den Nachrichten. In Verbindung mit einem vollständigen Katalog möglicher Klartexte konnte der richtige Klartext im Labor eindeutig bestimmt werden.

Spruchschlüssel niemals wiederverwenden.

Normale Alberich-Nutzung: Wird eine alte Nachricht über den Lösch-Button entfernt und anschließend eine neue Nachricht geschrieben, erzeugt Alberich automatisch einen neuen zufälligen Spruchschlüssel. Wer diesen vorgesehenen Ablauf benutzt, muß den Spruchschlüssel nicht selbst wechseln. Zusätzliche technische Schutzmechanismen können künftig verhindern, daß ein bereits verwendeter Spruchschlüssel auch außerhalb dieses Ablaufs versehentlich erneut benutzt wird.

6. Angriff auf die gemeinsame Endwalze

Modern V3 verwendet innerhalb eines Tagesschlüssels dieselbe Endwalze für mehrere Nachrichten. Unter normalen No-Gift-Bedingungen war das nicht der Hauptengpaß. Wenn ein Angreifer jedoch bereits erhebliche Teile des Rotorstapels kennt, wird die gemeinsame Endwalze zu einem nachrichtenübergreifenden Hebel. In entsprechenden Tests konnten Schlüsselkomponenten und unter starken Voraussetzungen sogar vollständige Konfigurationen rekonstruiert werden.

Das ist einer der Gründe, warum V4 die Endwalze pro Nachricht ableiten soll.

7. Schwache interne Perioden

Das Labor suchte auch nach ungewöhnlich kurzen internen Zustandsperioden. Dabei wurde eine klar definierte Fünfstart-Kurzperiodenklasse gefunden. Im synthetischen Generator trat diese Klasse in ungefähr sieben Prozent der untersuchten Fälle auf.

Kurzperiodenklasse — bekannter Klartext
Bekannte ZeichenErgebnis
256kein erfolgreicher Angriff
1 024kein erfolgreicher Angriff
4 096kein erfolgreicher Angriff
16 384Angriff reproduzierbar erfolgreich

Der Angriff benötigt also bislang extrem viel bekannten Klartext. Die Klasse wird als eingeschränkte Schwachschlüsselklasse bewertet — nicht als alltäglicher Schlüsselbruch. Trotzdem gilt: Wenn eine bekannte schlechte Schlüsselklasse beim Erzeugen billig erkennbar ist, läßt man sie künftig gar nicht erst zu.

8. Angriffe mit bereits bekannten Schlüsselkomponenten

Das Labor hat absichtlich auch unrealistisch starke Angreifer getestet: vorgegebene Rotorparameter, bekannte Ringe oder Kerben, Teile des Spruchschlüssels, ein bereits stark eingeschränkter Rotorstack. Unter solchen Voraussetzungen wurden praktische Rekonstruktionen bis hin zum Vollschlüssel demonstriert.

Das ist kein Widerspruch zum No-Gift-Ergebnis. Es beantwortet eine andere Frage: Wie schnell fällt der Rest, wenn bereits große Teile des Geheimnisses kompromittiert sind? Die Antwort lautet: teilweise sehr schnell.

Darum gehört gute Schlüsselhandhabung zur Sicherheit des Gesamtsystems. Der Tagesschlüssel aus dem Codebook ist immer als ein zusammengehöriges Ganzes zu betrachten und zu schützen. Einzelne Bestandteile sollten nicht getrennt als vermeintlich weniger kritisch behandelt, weitergegeben oder ungeschützt gespeichert werden.

Der wichtigste Befund: Filtern ist nicht Erzeugen

Ein Angreifer kann falsche Hypothesen häufig sehr effektiv aussortieren. Sobald ein kleiner, sinnvoller Kandidatenkatalog existiert, kann die wahre Hypothese oft gut erkannt und hoch gerankt werden. Das Problem liegt davor:

Wie erzeugt man überhaupt praktisch die richtige Kombination aus Walzen, Kerben, Fortschaltung und Spruchschlüsselbelegung?

Dieser äußere Kandidatenraum blieb der entscheidende Engpaß. Auch der abschließende gemeinsame Kopfgruppen-/Körperangriff hat dafür keinen praktischen neuen Weg gefunden.

Modern V3 hat sich innerhalb der erweiterten intern getesteten No-Gift-Angriffslandschaft gegen eine praktische vollständige Tagesschlüsselrückgewinnung empirisch als widerstandsfähig erwiesen.

Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Was bedeutet das für normale Alberich-Nutzer?

  1. Der Tagesschlüssel bleibt das eigentliche Geheimnis. Wer die Schlüsseltafel besitzt, besitzt den Schlüssel. Kein Rotoralgorithmus kann eine veröffentlichte oder gestohlene Tafel retten. Der Tagesschlüssel im Codebook ist immer als vollständige Einheit zu schützen — nicht als Sammlung unabhängiger Einzelparameter. Tafeln nicht über denselben Kanal wie die Nachrichten verteilen.
  2. Spruchschlüssel nicht wiederverwenden. Wird die alte Nachricht über den Lösch-Button entfernt und danach eine neue geschrieben, erzeugt Alberich automatisch einen neuen zufälligen Spruchschlüssel. Einen bereits verwendeten Spruchschlüssel nicht manuell übernehmen.
  3. Weniger Nachrichten pro Langzeitschlüssel sind besser. Die Rotorchiffre wird dadurch nicht mathematisch „stärker“. Aber ein Angreifer erhält weniger Material unter derselben Konfiguration. Dafür gibt es V3 gehärtet: kürzere Epochen (4 Stunden empfohlen) statt einer starren 24-Stunden-Nutzung. Siehe Kapitel 5.2.
  4. Sehr sensible oder große Inhalte können einen frischen Schlüssel bekommen. Ein Session- oder One-Shot-Schlüssel — eine frische unabhängige V3-Konfiguration nur für eine Sitzung, ein Dokument oder eine Nachricht — ist empfohlen, aber noch nicht ausgeliefert. Bis dahin eine neue gehärtete Tafel oder ein kürzeres Profil (1 Stunde) wählen.
  5. Kurier bleibt eine andere Sicherheitsdimension. Die Kryptoanalyse untersucht die Chiffre. Der Kurier fragt: wo befinden sich Klartext und Schlüssel überhaupt? Wenn das Messenger-Gerät weder Klartext noch Tagesschlüssel besitzt, kann es diese auch nicht an eine App, einen Server oder einen lokalen Scanner weitergeben. Das ersetzt keine Chiffrestärke, reduziert aber die Angriffsfläche des Endgeräts. Siehe Kapitel 6.

Was ändert Alberich — und was bleibt geplant?

V3 gehärtet: mehr Disziplin ohne neuen Algorithmus

Der bestehende V3-Kern bleibt unverändert und kompatibel. Die Härtung findet bei Erzeugung und Benutzung der Schlüssel statt. Ausgeliefert (Web Revision 65, Android Revision 31) sind: unabhängiger Vollschlüssel je Zeitslot, Profile 24 h / 4 h (Voreinstellung) / 1 h, Alberich-Schlüsselzeit ganzjährig MEZ (UTC+1), Transfer per CBQR2 (.alb3cb2; Web zusätzlich Live-QR), MAC-first beim Empfang, Spruchschlüssel-Register und Sende-Wasserzeichen (fail-closed), Pin vor Uhr. JSON und Standbild-QR bleiben dem Tagesschlüssel vorbehalten.

Noch nicht ausgeliefert — Labor oder später: automatische Zurückweisung der bekannten Kurzperiodenklasse, getrennte Schlüsselrichtungen, Session- und One-Shot-Modi, harte Nachrichtenanzahl-Grenze je Epoche über die Slotlänge hinaus. Der Companion erzeugt keine gehärteten Tafeln. Android hat Datei-Transfer, kein MUR-Live-QR.

V3 gehärtet verändert nicht heimlich den untersuchten V3-Algorithmus. Alte Nachrichten bleiben entschlüsselbar. Neue gehärtete Nachrichten bleiben normale V3-Nachrichten — nur die Schlüssel werden disziplinierter erzeugt und benutzt. Bedienung: Kapitel 5.2.

V4: nicht mehr Rotoren, sondern ein besseres Protokoll

Die Forschung hat auch gezeigt, was nicht automatisch hilft. Mehr Rotoren, zusätzliche Ringparameter, kompliziertere Fortschaltung, nachrichtenabhängige Kerben oder ein ständig wechselndes Steckerbrett erzeugen viel zusätzliche Komplexität — ohne daß unsere Angriffe dafür einen überzeugenden Sicherheitsgewinn gezeigt haben. V4 soll deshalb bewußt minimal bleiben.

Der Rotor-Kern bleibt nah an V3. Verbessert werden vor allem: nachrichtenspezifische Kopfgruppenabbildung, nachrichtenspezifische Endwalze, eindeutige Message-IDs, Replay-Schutz, saubere kryptographische Domänentrennung, eindeutige kanonische Datenrepräsentation, robuste Schlüssel- und Zustandsverwaltung und automatische Vermeidung bekannter Schwachschlüssel.

Das Ziel lautet nicht „V4 hat noch mehr Parameter.“ Sondern: „V4 entfernt die Schwächen, die wir in V3 tatsächlich gefunden haben.“

Ist Alberich V3 jetzt sicher?

Eine seriöse Antwort lautet: Modern V3 ist intern sehr umfangreich angegriffen worden. Ein praktischer vollständiger Tagesschlüsselbruch ohne zusätzliche Schlüsselkenntnisse wurde in diesen Angriffen nicht demonstriert. Gleichzeitig sind konkrete Protokoll-, Wiederverwendungs- und Schwachschlüsselprobleme bekannt.

Darum sagen wir ausdrücklich nicht:

  • „unknackbar“
  • „bewiesen sicher“
  • „248 Bit sicher“
  • „post-quantum sicher“

Die Größe eines Schlüsselraums ist nicht dasselbe wie praktisch nachgewiesene Angriffswiderstandsfähigkeit. Der nächste Qualitätslevel ist keine hundertste Variante desselben internen Angriffs, sondern unabhängige externe Kryptoanalyse.

Was wurde insgesamt gelernt?

Komplexität allein ist keine Sicherheit.

Die stärksten sinnvollen Verbesserungen waren nicht „noch mehr Walzen“, sondern weniger wiederverwendete Struktur, saubere Nachrichtenindividualisierung, kürzere Schlüssel-Lebensdauer, gute Schlüsselverwaltung, eindeutige Protokollzustände und transparente Tests. Der historische Rotor bleibt sichtbar — das Sicherheitsdenken darum herum wird moderner.

Die faire Bilanz

Was dem Angreifer gelang

  • definierte Protokollinformationen sichtbar machen
  • lange bekannte Texte als starken Filter nutzen
  • bei Wiederverwendung zusätzliche Beziehungen ausnutzen
  • unter starken Schlüsselgaben Komponenten bis zum Vollschlüssel rekonstruieren
  • eine eingeschränkte Kurzperiodenklasse bei extrem langem bekannten Klartext ausnutzen

Was in der internen Analyse nicht gelang

  • aus normalen öffentlichen Nachrichten den vollständigen V3-Tagesschlüssel praktisch wiederzugewinnen
  • aus der Kopfgruppeninformation einen praktischen vollständigen No-Gift-Angriff zu bauen
  • lange Nachrichten allein in einen vollständigen Schlüsselbruch zu verwandeln
  • den äußeren Kandidatenraum praktisch zu erzeugen

Das ist der Stand, mit dem V3 intern abgeschlossen wird und die nächste Generation entwickelt wird.

Transparenz statt Vertrauensversprechen

Alberich ist ein experimentelles, offen spezifiziertes Rotorverfahren. Es ist kein Ersatz für breit geprüfte moderne Standardkryptographie und kein Produkt mit mathematischem Beweis. Gerade deshalb werden nicht nur Erfolgsmeldungen veröffentlicht, sondern auch negative Angriffsresultate, gefundene Schwächen, verworfene Ideen, Grenzen der eigenen Tests und die daraus abgeleiteten Änderungen für V4.

Sicherheit entsteht nicht dadurch, daß niemand hinsieht. Sie wird besser, wenn möglichst genau hingesehen wird.

Öffentliche Kryptoanalyse und Evidenz auf GitHub

Research- und Evidence-Snapshot

Die wichtigsten Ergebnisse der Modern-V3-Untersuchung stehen zusätzlich als öffentlicher Snapshot auf GitHub:

github.com/MyEngineeringTools/alberich-v3-cryptanalysis-evidence

Der Snapshot richtet sich vor allem an technisch interessierte Leser, IT-Sicherheitsfachleute und Kryptoanalytiker. Enthalten sind unter anderem der abschließende interne Sicherheitsbericht, öffentlich prüfbare Evidenz zu den Abschlußexperimenten EXP-077, EXP-079 und EXP-081, Hash-Bindungen und Verifikationswerkzeuge, öffentliche Challenge- und Ergebnisdaten, eine klare Kennzeichnung widersprüchlicher oder verworfener Evidenz sowie die dokumentierten Grenzen der eigenen Untersuchung.

Der öffentliche Snapshot ist kein Sicherheitszertifikat und kein Beweis dafür, daß Alberich „unknackbar“ ist. Er ist auch nicht das vollständige interne Laboratory und enthält keine privaten Wahrheitsdaten. Sein Zweck ist Transparenz: Interessierte sollen nachvollziehen können, welche Angriffe tatsächlich durchgeführt wurden, welche Ergebnisse sie lieferten und auf welcher Evidenz die heutige Bewertung von Modern V3 beruht.

Wer unsere Schlußfolgerungen nicht einfach glauben möchte, kann sich die veröffentlichten Nachweise selbst ansehen.

Häufige Fragen zum Labor

Wurde Alberich Modern V3 geknackt?

Nicht allgemein. In der abgeschlossenen internen Kryptoanalyse wurde kein praktischer vollständiger Tagesschlüsselbruch ohne zusätzliche Schlüsselkenntnisse demonstriert. Unter definierten Voraussetzungen — etwa erheblichen Schlüsselgaben oder bestimmten Wiederverwendungsfehlern — existieren dagegen erfolgreiche Angriffe.

Wie sicher ist Alberich Modern V3?

Die faire Formulierung lautet: empirisch widerstandsfähig im erweiterten intern getesteten No-Gift-Vollschlüsselumfang, aber mit bekannten Protokoll- und Betriebsrisiken. Das ist ausdrücklich kein mathematischer Sicherheitsbeweis.

Was bedeutet „No-Gift“?

„No-Gift“ bedeutet, daß der Angreifer keine geheimen Schlüsselkomponenten geschenkt bekommt. Er muß mit den Informationen arbeiten, die sein Angreifermodell realistisch vorsieht — etwa öffentlichen Telegrammen oder, bei einem Known-Plaintext-Angriff, bekanntem Klartext.

Warum entwickelt Alberich trotzdem V4?

Weil gute Kryptographie nicht darauf wartet, bis ein Gesamtsystem vollständig fällt. V4 soll gezielt die Schwächen entfernen, die tatsächlich gefunden wurden: wiederverwendete nachrichtenübergreifende Struktur, das Kopfgruppenleck, Shared-E, Wiederverwendungsrisiken und die bekannte Kurzperiodenklasse — ohne dekorative Zusatzkomplexität.

10. FAQ & Troubleshooting

Kurz gesagt

Meist: falscher Modus, unvollständige Nachricht oder nicht dieselbe Tafel.

Warum kommt nur Müll raus?

Anderer Modus als der Sender, anderer Tag, andere Walzenlage — oder nur ein Teil der Nachricht. In Modern muß der Empfänger von ALBV bis zur Prüfgruppe alles einfügen. Traditionell: nur A–Z, dieselbe Startlage.

Prüfgruppe ungültig

Die Prüfgruppe bindet die ganze Nachricht an den Tagesschlüssel. Tippfehler, fehlende Gruppen, falscher Tag oder falsche Endwalze — alles scheitert an der Prüfung, und es erscheint kein Klartext. Das ist Absicht.

Tafelwort stimmt nicht

Dann weicht der CRC-32-Vergleichswert ab — oft liegt wirklich eine andere Tafel vor. Nicht weiterarbeiten, Tafel erneut teilen und das Tafelwort über einen unabhängigen Weg vergleichen. CRC-32-Kollisionen sind grundsätzlich möglich; das Tafelwort ist ein Plausibilitätscheck, keine Signatur. Gehärtete Tafeln haben kein Tafelwort: dort Monat und Fingerprint vergleichen.

Was ist V3 gehärtet?

Modern V3 mit unabhängigem Vollschlüssel je Zeitslot (24 / 4 / 1 Stunde, Voreinstellung 4 Stunden). Alberich-Schlüsselzeit ist ganzjährig MEZ. Das Telegramm bleibt ALBV. Teilen als Datei .alb3cb2, in der Web-App zusätzlich als Live-QR. JSON und Standbild-QR sind nur für den Tagesschlüssel. Companion erzeugt keine gehärteten Tafeln. Ausführlich: Kapitel 5.2.

Kann ich Traditionell und Modern mischen?

Nein. Beide Seiten brauchen denselben Modus und dieselbe Tafel. Der Companion (Chrome, Edge, Firefox, Thunderbird) kennt nur Modern und den Tagesschlüssel — Traditionell und V3 gehärtet gibt es in der Web-App und unter Android.

Play Store oder F-Droid?

Beides ist offiziell. Play ist der kürzere Weg. Das F-Droid-Repo unter alberich.pro/fdroid ist das Repo des Autors, nicht f-droid.org. Fingerprint vor dem Hinzufügen prüfen. Details in Kapitel 1.1.

Kann ich Play und F-Droid mischen?

Nein. Die Signaturen unterscheiden sich in der Regel (Play App Signing). Eine Play-Installation läßt sich nicht aus dem Repo aktualisieren und umgekehrt. Wechsel: Tafeln sichern, App deinstallieren, denselben Kanal neu wählen.

Längenlimits und mehrere QR-Codes

Empfohlen bleibt eine maximale Nachrichtenlänge von 4096 Zeichen Klartext im Alltag. Die theoretische Grenze des Base-26-Codecs liegt bei 200 000 Einzelbuchstaben — das entspricht höchstens 117 510 UTF-8-Bytes. Ein Kurier-QR faßt höchstens 955 Geheimtext-Buchstaben; ohne Kurier kannst du die QR-Warnung ignorieren. Darüber hinaus kürzen oder in zwei Sendungen teilen.

Weniger als drei Steckerpaare

Das kommt nur vor, wenn du den Schlüssel von Hand setzt. Beim Erzeugen einer Tafel setzt Alberich immer zehn Steckerpaare. Unter drei Paaren weigert sich Modern zu laufen — im Setup einfach Paare ergänzen. Jeder Buchstabe darf nur in einem Paar vorkommen.

Wurde Modern V3 geknackt?

Nicht allgemein. Die abgeschlossene interne Kryptoanalyse hat keinen praktischen vollständigen Tagesschlüsselbruch ohne zusätzliche Schlüsselkenntnisse gezeigt. Unter definierten Voraussetzungen — etwa erheblichen Schlüsselgaben oder wiederverwendeten Spruchschlüsseln — gibt es erfolgreiche Angriffe. Die faire Formulierung und die Evidenz stehen in Kapitel 9 Labor.

11. Glossar

ALBV
Sichtbarer Stempel einer Modern-V3-Nachricht. Gilt für Tagesschlüssel und V3 gehärtet.
Alberich-Schlüsselzeit
Ganzjährig MEZ (UTC+1), ohne Sommerzeit. Bestimmt den Zeitslot bei V3 gehärtet, unabhängig von der Gerätezeitzone.
Base-26
Abbildung beliebigen Texts auf A–Z als eine große Ganzzahl, damit die Walzenmaschine Buchstaben verarbeiten kann.
Double-Step
Eine Walze nimmt die nächste mit, wenn sie selbst auf einer Kerbe steht — historisches Verhalten, in Modern V3 auf vier Walzen erweitert.
Endwalze (E)
Freie 26-Permutation statt Umkehrwalze. Nicht involutorisch. Fixpunkte erlaubt.
Griechenwalze
Beta oder Gamma. Vier Startlagen wie die anderen Walzen. In Traditionell ohne Schritt, Ring gilt. In Modern V3 mitrotierend, Ring gilt.
Grundstellung
Vier Buchstaben Startlage aus dem Tagesschlüssel. Verschlüsselt den Spruchschlüssel-Kopf.
Involutorik
Abbildung gleich ihrer Inverse. Historische Enigma; nicht Modern V3.
Kurzperiodenklasse
Klar definierte Fünfstart-Klasse mit ungewöhnlich kurzer interner Zustandsperiode. Im Labor erst bei extrem langem bekanntem Klartext (16 384 Zeichen) praktisch ausnutzbar. Automatische Zurückweisung beim Erzeugen ist noch nicht ausgeliefert (Labor).
Kurier
Physische Trennung: Offline rechnen, online nur Geheimtext per QR ALBERICH-CTQR1.
Lückenfüller
Schlüsselabhängige Kerben auf der rechten, mittleren und linken Walze. Historisch hatte jede Walze ein oder zwei feste Kerben. Modern V3 setzt je Walze 5, 7 oder 9 Kerben aus dem Tagesschlüssel — sichtbar auf der Tafel, unabhängig von Ringen und Steckern. Die Griechenwalze hat keine Kerben. Die schlüsselabhängigen Lückenfüller beseitigen die festen historischen Kerbenmuster und erschweren dadurch die direkte Übertragung klassischer Enigma-Perioden- und Kerbenangriffe deutlich. Das Verhalten bleibt offen dokumentiert und kann unabhängig analysiert werden.
Message-ID
Acht Zufallsbuchstaben, keine Walzenlage. Geht in die Prüfgruppe ein und speist den lokalen, sitzungsgebundenen Replay-Cache — kein Cloud-State.
No-Gift
Angreifermodell ohne geschenkte geheime Schlüsselkomponenten. Der Angreifer arbeitet nur mit dem, was das Modell erlaubt — etwa öffentlichen Telegrammen oder, bei Known-Plaintext, bekanntem Klartext.
Not-Aus
Löscht alle Tafeln in diesem Browser bzw. dieser App.
Prüfgruppe
20 Buchstaben Authentisierungsgruppe am Ende der Nachricht (HKDF, dann HMAC-SHA-256). Wird zuerst geprüft; ohne gültige Gruppe kein Klartext.
Spruchschlüssel
Vier Buchstaben Walzenstart je Nachricht. Modern: automatisch; Traditionell: manuell oder automatisch erzeugt.
Tafelwort
Kurzer, nicht geheimer CRC-32-Vergleichswert der Tagesschlüssel-Monatstafel (Anzeige XXXX XXX). Alltagstauglicher Plausibilitätscheck, keine Signatur. Gehärtete Tafeln nutzen stattdessen Monat und Fingerprint.
UKW
Umkehrwalze der historischen Maschine (Bruno, Caesar, Dora).
V3 gehärtet
Ausgelieferter Tafeltyp: unabhängiger Vollschlüssel je Zeitslot (24 / 4 / 1 Stunde). Cipher-Kern unverändert. Transfer per .alb3cb2 (Web zusätzlich Live-QR).
Zeitslot
Gültigkeitsfenster eines Vollschlüssels bei V3 gehärtet. Die Uhr wählt den Slot; sie erzeugt den Schlüssel nicht.

Lückenfüller — Bild

Gold markiert die Kerben. Die übrigen Buchstaben sind „Lücken“ — daher der Name. Steht eine Walze auf einer goldenen Position, nimmt sie die nächste mit. Die schlüsselabhängigen Lückenfüller beseitigen die festen historischen Kerbenmuster und erschweren dadurch die direkte Übertragung klassischer Enigma-Perioden- und Kerbenangriffe deutlich.

Buchstabenkranz A–Z mit sieben goldenen Kerben
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
  ■       ■       ■       ■       ■       ■       ■
  7 Kerben, Anzahl aus {5, 7, 9}, Positionen zufällig

Anhang

Beispielnachricht (Prüfvektor)

Klartext Hello, Demo-Tafel Tag 16 (Tafelwort CPTZ YYH), Spruchschlüssel LDNQ, Message-ID TESTMSGX. Nur zum Nachrechnen — nicht für den Alltag.

ALBV KCBD TEST MSGX XWSW IYDB UEFR KEQM ITQR COGP DSZA L

Ungruppiert (so akzeptiert die App ihn ebenfalls):

ALBVKCBDTESTMSGXXWSWIYDBUEFRKEQMITQRCOGPDSZAL

Zum Test: Demo-JSON importieren, Tag 16 wählen, komplette Nachricht als Geheimtext einfügen. Erwartete Ausgabe: Hello.

Zweiter Vektor, UTF-8: Klartext Guten Tag! Äpfel 🔐

ALBVKCBDTESTMSGXXYEOWAEKZVYWNKGNQGALJWTDDGVPGDVBKCQNOSYVWGYPSDFCYZLSRHZAVJ

Links

Versionen

  • Handbuch-Stand: 4. September 2026
  • Empfohlene Web-App: 1.0 (Revision 65)
  • Android: 1.0 (Revision 31)
  • Browser-Companion: 1.0.24 · Thunderbird: 1.0.16